Clubsterben in Berlin: Ein qualvoller Tod

Immer mehr Clubs verschwinden

Dienstagnacht in Berlin. In der Hauptstadt spielt der Wochentag keine Rolle. Wer feiern will, wird seinen Platz finden. Aber vielleicht nicht mehr den Club, in den man seit Jahren zum feiern gegangen ist. Immer mehr Clubs in Berlin müssen schließen oder sind bedroht. Dabei ist die Clubszene genau das, was viele Menschen an Berlin anzieht. Für den WDR-Radiosender Cosmo bin ich clubben gewesen.

„Den gibt es in Berlin nicht nochmal“

Ich ziehe durch die dunkle Stadt und befrage Nachtgänger. Einige haben noch gar nichts vom Clubsterben mitbekommen. Andere sind ziemlich enttäuscht, wie zum Beispiel Paul. Der große schlaksige Typ mit den dunklen Haaren ist selbst vom Clubsterben betroffen. In seiner Stimme liegt Enttäuschung.

„Mein Lieblingsclub ist im letzten Jahr Januar geschlossen worden. War ein super geiler Club, richtig chillig. Jeder Club in Berlin hat ja so sein eigenes Flair und den, den das Rosi’s hatte, den gibt es in Berlin nicht nochmal.“

Auf der Seite vom ehemaligen Rosi’s in Friedrichshain prangt ein schwarz-weißer Totenkopf. „Unforgotten“ steht darunter. Der Club will nicht vergessen werden. Wenn man das Programm vom Rosi’s abrufen will, steht auf der Seite: „Sorry, we’re closed forever!“. Eine endgültige Sache.

Clubssterben in Berlin ist Thema im Bundestag

Derzeit werden Clubs als Vergnügungsstätten qualifiziert. Damit sind Clubs auf einer Stufe mit Casinos und Bordellen. Das bedeutet, wenn zum Beispiel neben einem Club ein Neubau entsteht und die neuen Nachbarn sich immer wieder über die Lautstärke des Clubs beschweren, dann kann das am Ende zur Schließung des Clubs führen. So sind nach und nach einige Clubs verschwunden.

Der Status der Clubs könnte sich ändern. Darüber diskutiert zumindest im Bundestag ein Fachausschuss. Unter den geladenen Experten ist auch Pamela Schobeß. Sie ist Betreiberin vom Club Gretchen und Vorsitzende der Clubcommission Berlin, dem Verband der Berliner Club- und Partyveranstalter. Schobeß hält den momentanen Status für eine „Art Damoklesschwert“, das über den Clubs schwebe.

Rummels Bucht geschlossen

Das Clubsterben in Berlin geht weiter. Letzten Dezember hat die Rummels Bucht schließen müssen. Ein entspannter Ort, eine Mischung aus Biergarten und Club, direkt an der Spree. Durch die etwas versteckte Lage, war die Bucht gerade im Sommer noch ein kleiner Geheimtipp.

Nach einer umstrittenen Entscheidung der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg , ist letztes Jahr ein Bebauungsplan beschlossen worden. Die Grundidee der Umgestaltung stammt aus dem Jahr 1992. Genau dort wo der Club stand, soll auf etwa 6.000 Quadratmetern die „Coral World“ entstehen. Neben einem Korallengarten, sollen dort auch Meerestiere gezeigt werden, also eine Art Aquarium.

Es sollen aber auch Wohnungen und Büros gebaut werden an der extrem beliebten Lage am Wasser. Die Frage ist jedoch, ob diese Wohnungen dem total überlaufenen Wohnungsmarkt in Berlin Entspannung bringen werden. Bezirksbürgermeister Michael Grunst sagt zumindest, dass keine Eigentumswohnungen gebaut werden sollen.

Noch mehr Clubs schon zu oder bedroht

Auch der Techno-Club Griessmühle musste diesen Januar schließen, weil der Vertrag nicht verlängert wurde. Trotz vieler Proteste und einem Appell des Kultursenators Klaus Lederer, konnte mit dem Investor keine Einigung gefunden werden.

Auch der Mietvertrag vom deutschlandweit bekannten Club Kitkat und Sage sind gekündigt worden. Beide Clubs sind im selben Haus untergebracht und sollte kein neuer Vertrag zustande kommen, müssen sie bis Juni 2020 ausziehen. Sollte es dazu kommen, wäre dies sicher der prominentest Club der in Berlin wegstirbt.

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