Aufmarsch: Hogesa und Ausschreitungen in Köln

Ein nasser Platz, übersäht mit Scherben und Müll. Rot-weißes Absperrband schlängelt sich über Steinplatten vor dem Hauptbahnhof Köln. Ein Sprung in der Glasscheibe einer Bäckerei, daneben kleben ein paar Blutstropfen. Vierundvierzig Beamte wurden verletzt. Vor einem chinesischen Restaurant zeichnen sich braune Flecken ab, die letzten Hinweise auf die zerstörten Blumenkübel. Hier begannen die Ausschreitungen der Demonstranten, die sich der Bewegung „Hooligans gegen Salafisten“ angeschlossen hatten. 

Mehr als siebentausend Teilnehmer kündigten sich auf der Facebook-Seite an, gekommen sind letztlich etwa fünfausend Demonstranten. Eine explosive Mischung aus Hooligans, Rockern und Rechtsradikalen. Die Polizei schätzt alle drei Gruppen als sehr gewaltbereit ein.

Die Hooligans der verschiedensten Fußballclubs haben heute ihre Streitereien untereinander verdrängt. Im Stadion prügeln sie sich bis aufs Blut, heute marschieren sie Seite an Seite. Denn sie haben eines gemeinsam: das Feindbild von Salafisten und dem IS. Mit diesem Bild vor Augen marschieren sie alle durch die Kölner Innenstadt. Sie sind aus dem ganzen Bundesgebiet angereist. Auf ihren T-Shirts sind die Logos der Bewegung zu lesen. Plötzlich kommt es zu Ausschreitungen. Warum ist bislang unklar. Einen richtigen Grund braucht es vielleicht gar nicht, die Atmosphäre ist ohnehin angespannt. Es fliegen Steine und Flaschen in Richtung Polizei. Mit Wasserwerfern und Schlagstöcken geht die Polizei gegen die Randalierer vor.

Gegendemonstration

Währenddessen stehen etwa fünfhundert Gegendemonstranten vor dem Dom, sie versammeln sich gegen Rechts. Unterstützt wird die Veranstaltung von Gewerkschaften, der Kirche und der linken Szene. Die antifaschistische Initiative „Kein Veedel für Rassismus“ ist auch dabei. Um weitere Gewalt zu vermeiden, lotst die Polizei die Gegenveranstaltung vom Bahnhof weg. Ein Treffen von Rechten und Linken soll auf jeden Fall vermieden werden. Es ist fast erschreckend, wie klein und unscheinbar die Demonstration gegen das Aufgebot der Hooligans ist.

Nach den Krawallen unter den Hooligans löst der Leiter der HoGeSa-Versammlung Andreas Kraul die Versammlung auf, so die Polizei. Aber die Teilnehmer wollen noch nicht gehen. Die Stimmung ist aufgeheitzt und aggressiv. Die Wut der noch etwa 1.000 Demonstranten entlädt sich und ein Polizeiauto wird umgestoßen. Es sind Dellen im Dach des Wagens zu erkennen, ein Seitenspiegel ist weggetreten worden. Über den Platz schallen Parolen wie „Deutschland unser Land“. Die Polizei kesselt die Demonstranten ein. Ein Jugendlicher klettert auf das Polizeiauto und wird von der Polizei hitzig angefahren. Eine Auseinandersetzung die am Rande des Geschehens stattfindet. Sie zeigt, das nur ein Funke fehlt, um die Situation eskalieren zu lassen.

 Es fehlt nur der Funke

In der Mitte des Breslauer Platzes bildet sich ein Kreis, die Teilnehmer fassen sich an den Schulteren, tanzen und grölen. Pyrotechnik wird gezündet und hinterlässt eine Qualmspur in der Luft. Die Glasfassade des Bahnhofs scheppert, mit Stöcken schlagen die Demonstranten gegen die Scheiben. Plötzlich kommt Bewegung in die Masse, die Menschen rennen über den Platz. Hinter ihnen fährt der Wasserwerfer und spritzt in die Menge. Die Polizei bildet Ketten und schiebt die Demonstranten zusammen. Die Hälfte des Platzes ist geräumt. Nach einiger Zeit geleitet die Polizei die noch verbliebenen Demonstranten zum Bahnhof. „Verhalten Sie sich ruhig“, schalt es über den nun dunklen Platz. Unter den Füßen der Demonstranten knirschen die Scherben der zerborstenen Flaschen. Es hört sich an wie ein hundertfaches Zähneknirschen.

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