Bericht für das ZDF über PCB im Bergbau

Wir sehen es nicht, wir riechen es nicht, doch es ist da. PCB – polychlorierte Biphenyle. Es ist hochgiftig und zählt zu den zwölf als „dreckiges Dutzend“ bekannten organischen Chlorverbindungen, welche durch die Stockholmer Konvention vom 22. Mai 2001 weltweit verboten wurden. Dennoch gelangt es in unsere Umwelt, vor allem in unsere Flüsse. Mitverantwortlich ist dafür der Steinkohlebergbau, die damalige Ruhrkohle Aktiengesellschaft. Denn die Maschinen unter Tage liefen bis in die 80er Jahre hinein mit Hydraulikölen in denen PCB enthalten war. Bei der schweren Arbeit in den Stollen kam es zu Platzern in Schläuchen, die Öle liefen mal daneben und verteilten sich so unter Tage – und damit auch das PCB. Mehr als 10.000 Tonnen PCB wurden unter Tage in NRW eingesetzt und vermutlich wurde ein Großteil davon nicht über Tage entsorgt.

PCB im Bergbau und dann in die Umwelt

Nach dem Ende des Bergbaus im Saarland 2012 und dem bevorstehenden Ende in Nordrhein-Westfalen Ende 2018 muss abgepumpt werden. Unter Tage sammelt sich Regenwasser, es fließt zusammen und darf sich nicht mit dem Grundwasser vermischen. Daher wird es aus den Stollen nach oben über Tage gepumpt und in Flüsse eingeleitet. Das Abpumpen gehört zu den sogenannten Ewigkeitskosten, die der Steinkohlebergbau nach sich zieht.

Mit dem Grubenwasser gelangt auch das PCB in kleinen Mengen in die Flüsse. Das heutige Unternehmen RAG sieht jedoch keine Gefahr. In den Flüssen sei alles innerhalb der Normen, alle Grenzwerte würden eingehalten. Das tückische an PCB: Es reichert sich nach und nach an. Die toxische Wirkung entfaltet PCB, wenn es über einen langen Zeitraum in geringer Dosis aufgenommen wurde. Ein Gift, das auf leisen Sohlen kommt.

Strafanzeige gegen die RAG

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Nordrhein-Westfalen hat Strafanzeige gegen die RAG gestellt, denn das Einleiten von PCB in Flüsse stelle eine schwere Umweltstraftat dar. BUND-Sprecher Dirk Jansen warnt: „PCB ist nicht wasserlöslich, PCB wird angelagert an Sand, an Ton-Partikeln, gelangt so in die Umwelt, kann von Fischen aufgenommen werden, gelangt in die Nahrungskette, kann dann auch in den menschlichen Organismus gelangen.“

Harald Friedrich, Wasser-Experte und Biochemiker, kommt für sich zu einem eindeutigen Schluss. Es fehle schlichtweg die rechtlich Grundlage: „Dass derzeit Sekunde für Sekunde, tausende von Kubikmeter Grubenwassern in die Lippe, in die Emscher, in die Ruhr und in den Rhein eingeleitet werden, ist ein absolut illegaler Tatbestand, weil dafür die Ruhrkohle keine Einleitgenehmigung hat.”

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