Wie arbeitet eine Journalistin?

Von der Idee zur Geschichte

Immer wieder werde ich zu meinem Beruf befragt: Wie arbeitet eine Journalistin? In diesem Artikel erkläre ich meinen grundsätzlichen Weg von einer Idee zu einem veröffentlichten Beitrag.

Natürlich ist jede Geschichte anders und daher der Weg dorthin häufig sehr unterschiedlich. Dies soll vor allem zeigen, welche grundlegenden Überlegungen ich mir während meiner Arbeit stelle und welche Schritte und Prozesse durchlaufen werden müssen, bevor es zu einer Veröffentlichung kommt.

Beginn Journalistischer Arbeit

Am Anfang steht eine Idee. Ich bin auf einen Missstand gestoßen. Auf etwas ungewöhnliches. Ich habe Dokumente erhalten. Oder einen Anruf bekommen. Es sind neue Informationen aufgetaucht. Ich habe einen Artikel gelesen, der meine Fragen nicht beantwortet. Also muss ich diese Antworten selbst finden. All das kann der Beginn meiner Recherchen und meiner journalistischen Arbeit sein. Wie ich meine Arbeit digital organisiere, habe ich hier aufgeschrieben.

Recherche und Interviews

Ich stelle dann eine Hypothese auf und versuche diese durch meine Recherchen zu belegen. Es kann aber auch sein, dass sich im Verlauf der Recherchen ein anderes Bild ergibt. Dafür sammle ich Informationen zu dem Thema und notiere mir alles, was ich nicht verstehe, was mir nicht plausibel oder widersprüchlich erscheint. Anhand dieser Leitfragen strukturiere ich meine Interviews mit Experten.

Wie arbeitet eine Journalistin: Artikel, Radio, Video?

Wenn ich mir einen besseren Überblick über das Thema verschafft habe, entscheide ich für welches Medium die Geschichte am besten geeignet ist. Manchmal haben Protagonisten Angst vor einer Kamera, also ist vielleicht ein Artikel oder ein Radiostück besser geeignet. Oder es gibt ein faszinierendes visuelles Ereignis, dann ist eine Kamera der beste Weg, um die Geschichte zu erzählen.

Wenn ich weiß, welches mein primäres Medium für die Geschichte ist, führe ich anhand meines Leitfadens Interviews mit den Personen, die in die Geschichte involviert sind. Manchmal reicht es zu telefonieren oder zu skypen. Oder ich ziehe nach einem Vorgespräch mit einem Kamerateam oder einem Mikrofon und Notizblock los, um die Interviews zu führen. Es gibt auch Momente, in denen es das beste ist, den Zuschauer an einer sich schnell verändernden Situation teilhaben zu lassen. Gerade in Breaking News Situationen eignen sich Livestreams gut. Welche Apps dabei nützlich sein können, steht hier.

Pro und Kontra

Ich versuche das Thema von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten und Befürworter und Kritiker gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen. Die Berichterstattung soll ausgewogen sein, also müssen pro und kontra drin vorkommen. Bei kritischer Berichterstattung gibt es in der Regel eine Gegenseite. Diese konfrontiere ich am Ende meiner Recherche mit meinen Ergebnissen und gebe ihr so die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge darzustellen.

Die Geschichte aufschreiben

Wenn ich alle Puzzleteile zusammen habe, schreibe ich die Geschichte auf. Häufig habe ich mir schon vorher eine Dramaturgie überlegt. Also, was ist das spannendste, was das Publikum fesselt. Die Geschichte ist dann entweder ein Artikel, ein Storyboard für Instagram, ein Radio- oder Fernsehskript. Für alle Arten gibt es verschiedene Kriterien. Für Instagram, Radio und Fernsehen müssen auch technische Aspekte berücksichtigt werden. Das kann zum Beispiel die verwendete Musik, atmosphärische Töne, Inserts, Texte oder eine Beschreibung der zum Text gezeigten Bilder sein.

Den Text überarbeiten

Wenn ich die Geschichte aufgeschrieben habe überarbeite ich den Text. Manchmal merke ich, dass ich etwas noch kürzer oder einfacher formulieren kann. Wenn ich an diesem Punkt meiner Arbeit angelangt bin, habe ich mich ja schon länger mit dem Thema beschäftigt.

Das Publikum hört aber eventuell zum ersten Mal von dieser Geschichte und muss sofort alle Hintergründe und Zusammenhänge begreifen können. Das klappt nur, wenn ich es so einfach, präzise und knapp wie möglich formuliere. Dabei besteht die Kunst, das trotzdem alles richtig dargestellt wird. Dann schicke ich den Text an die Redaktion für die ich arbeite. Das kann also beispielsweise beim ZDF oder beim WDR sein, wie zum Beispiel für die Wissenschafts-Redaktion Quarks. In Absprache mit den Redakteuren der Redaktion entsteht dann das fertige Skript.

Produzieren

Handelt es sich um einen Radio- oder Videobeitrag, dann kommt jetzt der technische Teil der Umsetzung. Die mit dem Mikrofon oder der Kamera aufgezeichneten Interviews, Töne und Bilder werden mit Schnittprogrammen bearbeitet. Gemäß dem Skript entsteht so ein Radio-Feature über das Darknet oder ein Erklärvideo zur Europawahl für YouTube.

Faktencheck und Rechte klären

Das fertige Produkt wird dann von der Redaktion gelesen, angehört oder angeschaut Durch dieses vier Augen Prinzip von Autor und Redakteur, können unbeabsichtigte Fehler bestenfalls vermieden werden. Je nachdem wie umfangreich oder brisant das Thema ist, checken den Text noch mehrere Redakteure gegen. Gerade wenn es sich um Verdachtsberichterstattung oder kritische Veröffentlichungen handelt, kann von der Redaktion noch ein Anwalt hinzugezogen werden. So soll sichergestellt werden, dass alle Rechte gewahrt werden, eben auch die der Gegenseite.

Veröffentlichung und Distribution

Wenn alle diese Schritte abgeschlossen sind und ein grünes Häkchen bekommen haben, geht es an die Veröffentlichung. Der Artikel ist Online abrufbar. Der Radio-Beitrag läuft im Live-Stream. Das Video wird auf YouTube hochgeladen. Danach wird über Social Media Kanäle wie Twitter und Instagram auf die Veröffentlichung aufmerksam gemacht oder noch ergänzende Informationen publiziert.

Wie wird man Journalistin?

Wenn dich der Beruf des Journalisten interessiert, dann kannst du hier nachlesen, wie der Einstieg in den Beruf klappt.

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